#458 Wie KI und Computer Vision die Arbeitssicherheit verändern

Shownotes

In der neuen Folge des Wandelwerker Podcasts spricht Anna mit Alpay Ilker Toy, Head of Business Developement bei Dataguess GmbH & Konzek Technologies GmbH und Experte im Bereich Business Development mit Schwerpunkt auf der Digitalisierung industrieller Prozesse, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Computer Vision in der Arbeitssicherheit.

Alpay erklärt, wie KI-gestützte Kamerasysteme dabei helfen können, Gefahrensituationen wie das zu nahe Aufeinandertreffen von Staplern und Fußgängern oder riskantes Verhalten an Maschinen frühzeitig zu erkennen, bevor daraus ein Unfall entsteht. Er ordnet ein, warum Arbeitssicherheit dadurch von einem reaktiven zu einem präventiven Ansatz übergehen kann, welche technischen Voraussetzungen für solche Systeme nötig sind und warum die Kommunikation mit Mitarbeitenden entscheidend für die Akzeptanz ist. Im Gespräch geht es zudem um Unterschiede in der Offenheit gegenüber solchen Technologien zwischen Deutschland und anderen Ländern sowie um die Rolle von Betriebsräten und Datenschutz.

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00:00:00: Anna: Die Wandelwerker haben eine Mission: den Arbeitsschutz in den Unternehmen auf ein neues Level heben. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Wandelwerker Podcasts, den ersten deutschen Arbeitsschutz-Podcast für ganzheitliche und innovative Ideen für den Arbeitsschutz. Heutzutage können Informationen schnell [unverständlich] werden. Experten, die mit neuen Strategien und Methoden Arbeitsunfälle nachhaltig reduzieren, sind gefragter denn je. Die Wandelwerker zeigen Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit Schritt für Schritt, wie genau das funktioniert und wie damit den stagnierenden Unfallzahlen ein Ende gesetzt wird. Es gibt keinen Grund, länger zu warten. Jetzt ist der Zeitpunkt, die Arbeitsunfälle zu reduzieren.

00:00:39: Anna: Hallo und herzlich willkommen hier zu einer neuen Podcastfolge im Wandelwerker Podcast. Ich begrüße heute wieder einen neuen Gast im Interview. Herzlich willkommen, Alpay. Hi.

00:00:50: Alpay Ilker Toy: Hi, Anna, danke für die Einladung.

00:00:52: Anna: Ja, sehr gerne. Ich habe mich über die Initiative gefreut. Du hast dich ja bei uns gemeldet und gefragt, wäre das nicht ein tolles Thema für einen Podcast? Und ich finde es ein großartiges Thema für einen Podcast und freue mich, dass du heute da bist. Du bist im Bereich, nicht, du bist jetzt nicht klassisch Fachkraft für Arbeitssicherheit, sondern du bist im Bereich Business Development unterwegs. Erklär doch mal ein bisschen, in welchem Feld du dich über die letzten Jahre bewegt hast und was du so machst.

00:01:17: Alpay Ilker Toy: Ja gerne doch. Also, erst einmal, ich freue mich wirklich sehr, heute bei euch Gast zu sein, und tatsächlich fühlt sich das für mich an wie so ein Heimspiel. Ich bin gebürtiger Opertaler, hier aufgewachsen, und habe viele Jahre in Opertal gelebt. Und mittlerweile lebe und arbeite ich im Rheinland. Aber Opertal ist quasi nach wie vor meine Heimat. Und umso mehr freue ich mich, heute mit euch über das Thema intensiver auszutauschen und auch zu sprechen. Und ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung industrieller Prozesse und der Frage, wie moderne Technologien Unternehmen dabei unterstützen können, sicherer, effizienter und transparenter zu arbeiten. Heute begleite ich Industrieunternehmen bei der Einführung von KI- und Computer-Vision-Lösungen für Arbeitssicherheit, Qualitätsüberwachung und Produktionsprozesse. Was mich dabei besonders antreibt, ist nicht die Technologie selbst, sondern die Frage, wie wir sie sinnvoll einsetzen können. Mein Ziel ist dabei nicht, Menschen zu ersetzen oder zu kontrollieren. Ich möchte dazu beitragen, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, damit Arbeitsplätze sicherer werden und Menschen jeden Tag gesund nach Hause kommen können. Und ich habe in den letzten Jahren viele Produktionsbetriebe besucht. Was mich dabei immer wieder beschäftigt hat, war nicht die Technik, sondern die Frage, warum erkennen wir viele Risiken oft erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Und genau diese Frage hat mich letztendlich zu Computer Vision geführt, deshalb freue ich mich sehr auf unseren Austausch.

00:02:47: Anna: Ja, ich freue mich auch. Erzähl doch mal ein bisschen, wo siehst du heute, oder lebst du eben auch in deinem Kontakt mit Industrieunternehmen, wo KI heute schon Anwendungspunkte in der Arbeitssicherheit hat.

00:03:00: Alpay Ilker Toy: Ja, ich glaube, das ist eine sehr spannende Frage. Wir erleben gerade einen ähnlichen Wandel, wie wir ihn vor vielen Jahren bei Smartphones oder später bei der Cloud erlebt haben. Plötzlich ist eine Technologie da, über die jeder spricht, aber der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn wir sie konkret bei Problemen lösen lassen, quasi. Und genau das passiert gerade in der Industrie. Vor fünf oder zehn Jahren war KI für viele Unternehmen noch Zukunftsmusik. Und heute ist sie technisch ausgereift, leistungsfähig und vor allem wirtschaftlich einsetzbar. Das ist ein entscheidender Unterschied. Gleichzeitig stehen Unternehmen heute unter einem enormen Druck. Die haben Fachkräftemangel, steigende Anforderungen im Arbeitsschutz, immer komplexere Produktionsprozesse und den Anspruch, Risiken möglichst früh zu erkennen. Früher war Arbeitssicherheit häufig reaktiv, es wurde analysiert, nachdem etwas passiert war. Und heute haben wir erstmals die Möglichkeit, Risiken kontinuierlich zu erkennen, bevor daraus ein Unfall entsteht. Und genau darin sehe ich den eigentlichen Mehrwert von KI in der Arbeitssicherheit, nicht weil sie den Menschen ersetzt, sondern weil sie Dinge sieht, die im hektischen Arbeitsalltag einfach übersehen werden können. Und mich begeistert die Technologie übrigens nur dann, auch wenn sie Menschen hilft. Deshalb interessiert mich bei KI nicht, was technisch möglich ist, sondern welche konkreten Beiträge sie für mehr Sicherheit leisten kann.

00:04:29: Anna: Okay. Kannst du mal ein Beispiel nennen, wo und wie auch Gefährdungen heute, du hast das so schon gesagt, früher reaktiv, heute präventiv oder an vielen Stellen ja? Präventiv, wie ein Beispiel nennen, wo und wie das in der betrieblichen Praxis nachher aussieht.

00:04:48: Alpay Ilker Toy: Natürlich. Nehmen wir einen ganz normalen Arbeitstag. Eine Palette wird kurz im Fluchtweg abgestellt. Ein Mitarbeiter setzt für zwei Minuten seinen Helm ab, ein Stapler fährt etwas zu dicht an einem Fußgänger vorbei. Niemand macht das absichtlich. Aber genau solche Situationen summieren sich im Laufe des Tages. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt. Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit kann gar nicht überall gleichzeitig sein. Das erwartet auch niemand. Eine KI dagegen wird nicht müde, sie braucht keine Pause und sie schaut nicht nur einmal am Tag hin, sondern permanent. Ich sage immer, die KI trinkt keinen Kaffee, sie macht auch keine Mittagspause. Aber die Entscheidung trifft trotzdem immer der Mensch. Und jetzt bezüglich der Beispiele: Wenn wir die Kameras an bestimmten Kreuzungen jetzt in der Lagerfläche positionieren, kann die Kamera entsprechend der Analysen genau erkennen, wie frequentiert bestimmte Kreuzungen, Knotenpunkte sind, und kann quasi dazu beitragen, dass die Arbeitssicherheit in der Form angepasst werden kann, dass man vielleicht neue Führungslinien für die Mitarbeiter, die zu Fuß gehen, oder für die Gabelstapler, die dann einen ganz anderen Weg bekommen, um da diese Frequenz zu mildern. Und entsprechend kann man beispielsweise bei Maschinen, wo der Mensch sehr nah an eine Maschine herantritt, weil er irgendwie etwas aus der Maschine herausziehen möchte, das macht er vielleicht nicht absichtlich, aber denkt sich das in dem Moment: Ich mache es einfach. Und dort kann man Barrieren aufsetzen, wo dann ein Signal erzeugt wird und entsprechend auch die Maschine stoppen könnte.

00:06:28: Anna: Ja, ist denn das? Also du kennst ja heute Unternehmen auch schon, wo solche Technologien im Einsatz sind. Das heißt, es gibt Kamerasysteme, die bestimmte neuralgische Punkte überwachen. Wie ist das in der Praxis? Ist das etwas, was dazu führt, dass sich Kolleginnen und Kollegen überwacht fühlen, oder wie ist da die Akzeptanz für solche KI-Systeme?

00:06:56: Alpay Ilker Toy: Also das ist eine sehr interessante Frage und auch ein wichtiger Punkt. Der Punkt ist eigentlich, wenn man Kamera hört, ist man sofort ein bisschen ängstlich. Man denkt sich, ich werde überwacht, ich werde kontrolliert, man schaut mir auf die Finger. Aber man muss die Kommunikation zum Mitarbeiter genauestens durchführen und auch transparent halten. Hier geht es primär darum, dass man die Arbeitssicherheit in den Vordergrund stellt. Es geht darum, dass man die Gesundheit wahren möchte und dadurch das Leben der Einzelnen verlängern möchte, jetzt ein bisschen doof gesagt, aber es geht hier wirklich darum, dass wenn Mitarbeiter an großen Maschinen arbeiten, wo wirklich auch ein hohes Risiko ist, dass, also Verquetschungsgefahr oder Schneiden, also wenn Schneidemaschinen plötzlich dann irgendwie außer Kontrolle geraten, dann Finger oder Hände oder Arme beschädigt werden können, das muss man halt dann so kommunizieren, dass dann auch die Mitarbeiter auch die Einsicht bekommen und entsprechend auch eine Sensibilisierung dadurch erhalten, um das auch akzeptieren zu können.

00:08:06: Anna: Ja, das heißt, das ist am Ende des Tages viel Kommunikation. Und ich würde aber auch denken, dass, ich sag mal, angenommen [unverständlich] bedeutet ja, ich halte mich nicht an die Regeln und mache etwas, was quasi eigentlich nicht erlaubt ist. Ich glaube schon, dass es auch vermutlich einen großen Einfluss darauf hat, wie die Akzeptanz ist, was passiert im Grunde genommen nach dem Regelverstoß. Gehen wir damit so um, wie du das gerade beschrieben hast, dass wir daraus, ja, einen Lernmoment machen, dass wir wissen, was können wir besser machen, warum ist das überhaupt so, was sind die Ursachen für dieses Verhalten. Oder ich sag mal, [unverständlich] auf der gegenüberliegenden Seite schmeißen wir denjenigen raus, [unverständlich] die sich an die Regeln gehalten haben.

00:08:56: Alpay Ilker Toy: Ja, es geht ja nicht darum, jemanden irgendwie zu entlarven oder irgendwie an den Pranger zu stellen. Es geht primär darum, wirklich die Sicherheit in den Vordergrund zu stellen. Und die, wie soll ich sagen, dass die Mitarbeiter wirklich bedacht an die ganze Sache rangehen. Es geht darum, dass die Mitarbeiter nicht zu Schaden kommen. Es geht im Wesentlichen um die Gesundheit des Einzelnen. Und ich denke, wenn wir die Mitarbeiter nicht sensibilisieren, wenn wir den Mitarbeitern nicht das Gefühl geben, dass dem Chef oder dem Unternehmen an der Gesundheit und an dem Leben des Einzelnen etwas wert steht, dann wird es halt schwierig. Aber wenn man das in den Vordergrund stellt, und das sollte auch im Vordergrund stehen, dann denke ich, dass man es dann auch eher dazu bringt, dass der Mitarbeiter Einsicht zeigt, dass die Gesundheit der primäre Faktor ist in dem Moment.

00:09:54: Anna: Ja, ja, das ist so, ja, auf der rationalen Ebene. Jetzt weiß ich zum Beispiel aus anderen Ländern, da ist es deutlich üblicher, dass solche, ich sag mal, KI-Kamerasysteme heute schon stattfinden, um auch einen guten Arbeitsschutz umzusetzen, als unterstützende Systeme. Habt ihr damit auch Erfahrung? Also, wie ist da auch die Rückmeldung aus anderen Ländern beispielsweise?

00:10:21: Alpay Ilker Toy: Genau, also die Einsätze im Ausland sind wesentlich einfacher und auch die Annahme, die Mitarbeiter dort, auch die Unternehmen an sich sind offener für diese Themen. Da gibt es nicht diese Hürden, die wir hier in Deutschland haben, durch die Betriebsräte oder durch die einzelnen Datenschutzbeauftragten oder sonst andere Instanzen, da geht es wirklich primär darum, dass man da eine Effizienz steigern möchte und auch die Sicherheit der Mitarbeiter in den Vordergrund stellt. Und da ist man viel offener als hier in Deutschland leider.

00:10:53: Anna: Ja, den Eindruck habe ich auch. Wie erlebt ihr das, ich sag mal, ich nehme mal an, dass ihr auch in verschiedenen Betriebsratsveranstaltungen dann mit dabei seid, um dort die Systeme vorzustellen und auch gemeinsam dafür zu werben. Wie erlebt ihr das dort? Also welche Vorbehalte gibt es auch bezüglich der Kamerasysteme? Welche Vorbehalte gibt es auch bezüglich KI? Wie nehmt ihr das da wahr?

00:11:17: Alpay Ilker Toy: Also da ist immer erstmal, okay, KI, Arbeitsplatz weg, KI-Überwachung, KI analysiert den Einzelnen. Das sind dann so quasi die Einwände, aber man muss da halt entsprechend sensibilisieren. Das Wort habe ich jetzt, glaube ich, heute einige Male genutzt, aufzeigen, dass dem nicht so ist. Es geht ja nicht darum, man muss ja auch unterscheiden, Videoüberwachung und eine Kamera-Vision, sage ich es mal, Erfassung. Wenn wir uns jetzt Hochzeitsvideos aufnehmen, dann gucken wir uns unser Bild an. Aber auf der anderen Seite, bei der Kamera-Vision, wir machen das ja in Echtzeit, da betrachten wir den jetzigen Moment und analysieren quasi, welche Gefahren sich anbahnen können, um entsprechend das Schlimmste zu vermeiden. Und daraus kann man dann entsprechend neue Strategien, neue Wege, neue Möglichkeiten, neue Maßnahmen einführen, um den Mitarbeiter, um auch den Einzelnen das wesentlich nahelegen zu können, sodass sie auch die Offenheit besitzen zu sagen, okay, ich nehme es an und ich sehe die Vorteile.

00:12:30: Anna: Findet denn eine Aufzeichnung statt, oder wird das quasi, du hast es gerade gesagt, in Echtzeit ja ausgewertet? Oder wird im Grunde genommen nur der Moment der Gefahr quasi aufgezeichnet oder ausgewertet und auch nochmal völlig anders als vielleicht das Kamerabild? Wie geht das?

00:12:45: Alpay Ilker Toy: Also es wird aufgezeichnet, aber nicht alles. Das heißt, man kann jetzt nicht 365 Tage durch aufzeichnen. Das wäre auch, glaube ich, vom Datenvolumen her nicht möglich. Und man hat ja auch gewisse Voraussetzungen, um solche Systeme aufzustellen. Da kann man halt, sage ich mal, sich entscheiden, ob man das halt dann für eine Woche 24 Stunden aufnimmt. Weil der Punkt ist ja, man muss ja auch daraus Auswertungen machen. Man möchte ja auch entsprechend aus der Vergangenheit, die jetzt nicht zu weit zurückliegt, Analysen erstellen, um gewisse Entscheidungen treffen zu müssen. Das heißt, wir überlassen ja auch mit der KI nicht die Entscheidung der KI, sondern wir erfassen Situationen, wir erfassen Risiken, wir erfassen sehr viele Daten, um daraus den Arbeitssicherheitsbeauftragten und auch den einzelnen verantwortlichen Teamleitern, Managern die Möglichkeit, daraus eine Entscheidung und auch eine Maßnahme zu ergreifen.

00:13:48: Anna: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, das ist, was passiert dann, wenn ich sag mal eine Gefahr erkannt wird, oder vielleicht, also eine Gefahrensituation erkannt wird, oder vielleicht das Zusammentreffen vielleicht von Stapler mit Mensch fasst, wie, was passiert dann?

00:14:05: Alpay Ilker Toy: Also eben im Grunde genommen ist es ja oft so, dass ja in dem Moment, wo wir die Kamera anlernen, wir müssten ja die KI in gewisser Weise anlernen, wir zeigen der Kamera, was ist die Maschine beziehungsweise was ist der Stapler und was ist der Mensch. Und in der Konstellation erkennt er, wenn diese zwei Objekte, sage ich mal, sich nähern. Und sobald die sich zu nah einem kritischen Punkt quasi genähert haben, ertönt dann entweder ein Signal in Form von Licht oder einem Ton, und entsprechend kann man dann daraus direkt die Reaktion erschließen, denke ich. Wenn ein Ton oder ein Signal kommt in der Form, was halt als Licht sich darstellt, dann sind dann die Mitarbeiter entsprechend dann auch vorsichtig und reagieren auch sofort. Und wenn diese Anomalien, in Anführungsstriche, sich häufen, muss man dann halt dann genau hingucken, weil die Auswertungen werden ja im Hintergrund der Kamera, sage ich mal, durch das System durchgeführt. Kann man sehen, wie oft ist die Häufigkeit und was kann man wie besser machen. Und da müssen sich dann halt die Entscheider zusammensetzen und gucken, dass man eventuell bestimmte Wege neu gestaltet, sodass diese Kollision beziehungsweise dieser Zusammenstoß in der Form verhindert wird.

00:15:27: Anna: Ja, ja, okay. Das heißt, man kann das dann, ich sag mal, in der Auswertung natürlich dafür nutzen, um solche Situationen präventiv nachher auszuschließen.

00:15:38: Alpay Ilker Toy: Genau.

00:15:39: Anna: Welche, also ist das grundsätzlich etwas, was jetzt mal unabhängig von einer Betriebsratsgenehmigung, ist das grundsätzlich etwas, was technisch in allen Unternehmen umsetzbar ist? Oder ich meine, wir sind ja auch nicht alle Unternehmen total sauber, sondern wir haben ja produzierende Gewerke, wo auch Dreck und Staub und all solche Sachen, oder eben auch, von der Luft her, saure Luft in den Produktionshallen vorhanden ist. Also was für technische Voraussetzungen brauche ich, um solche Systeme auch installieren zu können?

00:16:11: Alpay Ilker Toy: Also im Grunde genommen, technisch, sind wir heute an einem Punkt gelangt, an dem viele Unternehmen bereits eine sehr gute Ausgangslage haben. Oft können vorhandene Kameras weiter genutzt werden, falls sie für den jeweiligen Anwendungsfall nicht ausreichen, und ergänzend quasi ergänzen wir mit neuen Kameras, wo es halt sinnvoll ist. Das heißt, wenn die Kamera, die sie halt haben, nicht granular arbeiten und auch nicht [unverständlich] sehen, beispielsweise, dann setzen wir halt Kameras ein, die dazu auch dann in der Lage sind. Es geht also nicht darum, ein Werk komplett neu auszustatten, sondern die Bereiche zu betrachten, in denen der größte Mehrwert entsteht. Das ist dann quasi situations- und auch objektabhängig.

00:16:59: Anna: Okay, aber es sind schon, also in vielen, vielen Unternehmen, auch wenn es gerade nicht super sauber ist, ist es ohne Probleme möglich.

00:17:07: Alpay Ilker Toy: Genau, also man müsste halt dann gucken, wenn da sehr viel Staub ist, dass man die Kameras entsprechend auch immer pflegsam, sage ich mal, benutzt und auch vielleicht stündlich mal wischt, damit man auch alles erkennt. Aber für den Arbeitseinsatz, jetzt im Bereich der Arbeitssicherheit, wo es darum geht, gewisse Objekte in einer Gefahrenzone zu identifizieren, braucht man jetzt keine großartigen, hochwertigen, innovativen Kameras. Man muss nur erkennen, okay, ist halt mehr Mathematik.

00:17:42: Anna: Ja, verstehe, verstehe. Was glaubst du? Also, wir stehen ja heute vor der Situation, zumindest in meiner Wahrnehmung, dass technologisch, ist das kein Problem, es ist kein Problem, Situationen zu überwachen, also mit einer Kamera und diese Auswertung zu fahren, KI-basiert, und entsprechende Warnungen zu schaffen, wenn wir unsichere Situationen haben oder eine Gefährdung entsteht. Ich glaube, wir sind heute, korrigiere mich gerne, aber noch nicht auf dem Stand, dass das eine anerkannte und flächendeckende Möglichkeit ist, die Teil des Arbeitsschutzes ist, in manchen Unternehmen schon. Aber gerade in Deutschland haben wir einen starken Betriebsrat auch und auch eine starke Regelung, was das Thema Datenschutz und Recht am eigenen Bild und so weiter angeht. Siehst du das ähnlich, also dass wir quasi technologisch passt, aber ich sag mal, die eine der Einführungsstand, wenn ich so auf die Unternehmen schaue, wir betreuen ja auch viele, viele Unternehmen, da hängen wir schon noch eine ganze Ecke, also da ist es noch nicht fest etabliert und akzeptiert.

00:18:42: Alpay Ilker Toy: Ja, da stimme ich dir vollkommen zu. Das heißt, wir hinken da sehr, sehr weit hinterher. Aber ich glaube, wenn wir uns in fünf oder zehn Jahren wieder unterhalten würden, werden wir über KI in der Arbeitssicherheit genauso selbstverständlich sprechen, wie wir heute über Sicherheitsgurte oder Rauchmelder sprechen. Nicht, weil KI alles verändert hat, sondern weil sie einfach ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeitssicherheit geworden ist. Ich glaube, wir stehen heute an einem ähnlichen Punkt wie vor 20 Jahren bei dem digitalen Qualitätsmanagement. Und damals wurde noch darüber diskutiert, ob man überhaupt digital dokumentieren sollte. Und heute stellt sich die Frage kaum noch. Und ich glaube, bei Computer Vision wird das ähnlich sein.

00:19:24: Anna: Ja, okay. Was glaubst du, was der daran angeschlossene Entwicklungsschritt ist? Also wenn wir uns in fünf bis zehn Jahren unterhalten, wird es ja Technologie, wird es vermutlich weitere Technologien haben, oder mehrere Anwendungsfälle geben. Was glaubst du, was so, wenn wir uns in fünf Jahren oder in zehn Jahren wiedersehen, was glaubst du, was dann der nächste Schritt ist, der gekommen ist oder vor der Tür steht?

00:19:46: Alpay Ilker Toy: Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass einzelne Technologien entscheidend sein werden, sondern entscheidend wird sein, wie intelligent verschiedene Systeme zusammenarbeiten. Das heißt Computer Vision, Sensorik, Produktionsdaten, vielleicht Variablen, all diese Informationen werden künftig zusammengeführt und daraus entsteht ein viel vollständigeres Bild der tatsächlichen Arbeitssituation, und ich denke, das ist vorher der Punkt.

00:20:12: Anna: Okay. Ja, aber ich glaube, bis dahin haben wir noch eine ganze Menge zu schaffen oder zu tun.

00:20:19: Alpay Ilker Toy: Sollten, sollten wir. Wir müssten jetzt quasi mit Vollgas voranlaufen, um das einzuräumen.

00:20:26: Anna: Ja, das denke ich auch. Ja, vielen, vielen Dank für diesen Einblick. Ich fand das eine tolle, ich finde das eine tolle Technologie. Auch zum Beispiel, ich habe das jetzt in einem anderen Kontext kennengelernt, bei der Überwachung von Pools oder Gartenteich. Auch da gibt es ja mittlerweile nicht nur die Möglichkeit der physischen Abdeckung und der, ich sag mal, Sensorikabdeckung im Pool, wenn da quasi was reinfällt, sondern auch da gibt es mittlerweile Kamera-KI-Systeme, die im Grunde genommen überwachen, kommt dort ein Kind, kommt dort ein Kind mit einem Erwachsenen, oder kommt dort ein Erwachsener, und wenn halt ein Kind ohne Erwachsenen kommt, dass dann ein entsprechender Alarm ausgelöst wird. Da in diesem Kontext hatte ich das jetzt zuletzt auch kennengelernt. Deshalb, ich finde, das ist schon eine sehr spannende Technologie, sehr vielfältig einsetzbar. Und bin mal gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren entwickeln wird. Und dir vielen, vielen Dank, dass du es hier in diesen Podcast mal mitgebracht hast.

00:21:11: Alpay Ilker Toy: Ja, vielen Dank für die Einladung und für die wirklich spannenden Fragen.

00:21:15: Anna: Ja, danke dir. Dann euch weiterhin viel Erfolg und wir hören uns vielleicht für ein nächstes Podcast-Unternehmen.

00:21:22: Alpay Ilker Toy: Super, danke sehr.

00:21:24: Anna: Vielen Dank, dass du heute wieder dabei warst. Wenn dir gefallen hat, was du heute gehört hast, dann war das nur die Kostprobe. Willst du wissen, ob du für eine Zusammenarbeit geeignet bist, dann gehe jetzt auf www.wandelwerker.com-termin und buche dir einen Termin. In diesem 45-minütigen Beratungsgespräch wird eine Strategie für dich erstellt. Du erfährst, in welchen Schritten du an der Einstellung der Menschen im Unternehmen arbeitest, sichere Gewohnheiten schaffst und somit die Arbeitsunfälle nachhaltig reduzierst. Vergiss eine Sache bitte nicht. Wenn seit Jahren die Unfallzahlen bei dir stagnieren, dann verbessert sich der Zustand nicht von alleine. Du brauchst einen Berater, der dir zeigt, welche Schritte du befolgen sollst und welche lieber nicht. Wir haben Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei geholfen, die Sicherheitskultur in deren Unternehmen und bei deren Kunden zu verbessern. Als Kooperationspartner des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit liegt es uns am Herzen, dir das notwendige Handwerkszeug auf dem Weg zur Vision Zero zu zeigen und bei der Umsetzung zu unterstützen. Wenn du wissen willst, ob du für eine Zusammenarbeit geeignet bist, dann sichere dir jetzt unter www.wandelwerker.com-termin deinen persönlichen Termin.

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