#452 Top 5 Fehler von Fachkräften für Arbeitssicherheit
Shownotes
In der neuen Folge des Wandelwerker Podcasts spricht Stefan über fünf typische Fehler, die aus seiner Sicht dazu beitragen, dass Arbeitsschutz in Unternehmen weniger gut gelebt wird, und was Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit stattdessen tun können.
Stefan ordnet ein, warum ein Selbstverständnis als reiner Berater, der lediglich Mängellisten übergibt, Menschen nicht mitnimmt, und warum das Nichtübernehmen von Mitverantwortung durch Verweis auf Schwarz-Weiß-Denken problematisch ist. Er erläutert dies unter anderem mit dem sozialpsychologischen Konzept der Verantwortungsdiffusion und zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie eine klare Erwartungshaltung zwischen Management und Fachkraft Abhilfe schaffen kann.
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00:00:00: Anna Ganzke: Die Wandelwerker haben eine Mission: den Arbeitsschutz in den Unternehmen auf ein neues Level heben.
00:00:05: Anna Ganzke: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Wandelwerker Podcasts, dem ersten deutschen Arbeitsschutz-Podcast für ganzheitliche und innovative Ideen für den Arbeitsschutz.
00:00:13: Anna Ganzke: Heutzutage können Informationen schnell verbreitet werden. Experten, die mit neuen Strategien und Methoden Arbeitsunfälle nachhaltig reduzieren, sind gefragter denn je.
00:00:22: Anna Ganzke: Die Wandelwerker zeigen Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit Schritt für Schritt, wie genau das funktioniert und wie damit den stagnierenden Unfallzahlen ein Ende gesetzt wird.
00:00:33: Anna Ganzke: Es gibt keinen Grund, länger zu warten. Jetzt ist der Zeitpunkt, um Arbeitsunfälle zu reduzieren.
00:00:39: Stefan Ganzke: Was sind so die Top 5 Fehler von Sicherheitsingenieuren, Fachkräften für Arbeitssicherheit, die dazu beitragen, dass der Arbeitsschutz weniger gut gelebt wird? Das schauen wir uns heute hier in der neuen Wandelwerker Podcast-Folge an.
00:00:54: Stefan Ganzke: Mein Name ist Stefan, Geschäftsführer der WandelWerker Consulting GmbH, und zusammen mit unseren knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützen wir Unternehmen aus Mittelstand und Konzernen dabei, die Sicherheitskultur als Bestandteil der Unternehmenskultur systematisch und ganzheitlich weiterzuentwickeln, um dadurch Arbeitsunfälle und unsichere Situationen nachhaltig zu reduzieren.
00:01:18: Stefan Ganzke: Ja, und woran liegt es jetzt? Also, was sind die Top 5 Fehler von Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit? Ich glaube, das eine ist die Denkweise: Ich bin nur Berater.
00:01:31: Stefan Ganzke: Klar ist natürlich, dass am Ende des Tages im Gesetzestext drinsteht, dass man eine beratende Rolle hat. Es steht nicht drin, dass du als Sicherheitsingenieur, du als Fachkraft für Arbeitssicherheit, nur Berater sein sollst. Berater sein und eine beratende Rolle haben ist aus meiner Sicht vielleicht nicht dasselbe.
00:01:53: Stefan Ganzke: Das ist der erste und auch der subtilste Fehler, weil er sich ganz professionell anfühlt: Man macht die Begehung, man erstellt den Bericht, man listet die Mängel im besten Fall fein säuberlich auf. Und dann gibt man den Ball quasi an die Führungskraft und sagt: Ich habe dir jetzt die Mängelliste gegeben, guck mal, wie du vorankommst.
00:02:18: Stefan Ganzke: Das ist jetzt ein extremes Beispiel, klar. Aber das Grundproblem ist: Bei diesem reinen Denken eines Beraters nimmt man die Menschen nicht so richtig mit.
00:02:31: Stefan Ganzke: Es gibt Studien zur Rolle von Arbeitsschutzexperten. Da unterscheidet man einmal den Professional, der auf Management- und Führungskräfteebene eher eine Coaching-Rolle einnimmt, Führungskräfte einbindet, Mitarbeiter einbindet.
00:02:54: Stefan Ganzke: Und es gibt den Practitioner, der eher operativ vor Ort umsetzt und für Compliance sorgt. Am Ende des Tages sind beide Rollen wichtig, denn ohne Compliance wird auch das andere nicht funktionieren.
00:03:07: Stefan Ganzke: Man sieht aber schon: Wenn man rein in der Beraterrolle ist, ohne sich selbst in die Umsetzung einzubinden, verliert man natürlich Einfluss auf die Entscheidungen im Unternehmen.
00:03:18: Stefan Ganzke: Und ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn im Vergleich zu anderen Anbietern am Markt sind wir selbst Sicherheitsingenieure, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Arbeits- und Organisationspsychologen, die aus der Praxis kommen und wissen, wie es nicht läuft – in meinem Fall auch, weil ich selbst den einen oder anderen Fehler gemacht habe.
00:03:38: Stefan Ganzke: Auch dieses „Ich bin nur Berater" habe ich eine Zeit lang so gelebt, bis ich gemerkt habe: Das funktioniert so nicht. Am Ende des Tages ist es so: Wenn du die reine Beraterrolle hast, dann bist du irgendwann auch weg – nicht aus dem Unternehmen, sondern weg vom Tisch, wo Entscheidungen gefällt werden.
00:03:55: Stefan Ganzke: Denn am Ende braucht es nicht nur eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, die weiß, was nicht gut läuft. Im Gegenteil, wir brauchen viel, viel mehr Support.
00:04:05: Stefan Ganzke: Und ich glaube, das ist gerade auch ein Thema mit Blick auf künstliche Intelligenz. Da muss man als Fachkraft für Arbeitssicherheit aufpassen, denn das reine Berater-Wissen wird die KI wahrscheinlich über kurz oder lang für uns lösen können.
00:04:21: Stefan Ganzke: Und dann stelle ich dir mal die Frage: Wenn du sozial etwas unkompatibel bist und nur in der reinen Beraterschiene unterwegs bist, wie sieht es dann zukünftig für dich aus? Eine ganz wichtige Frage. Überlege mal, ob diese reine „Ich bin nur Berater"-Rolle wirklich sinnvoll ist. Da muss man auch mal über den Tellerrand schauen.
00:04:43: Stefan Ganzke: Es gibt eine Fachpublikation zur wandelnden Rolle von Fachkräften für Arbeitssicherheit, die es auf den Punkt bringt: Wer als Change Agent wirken will, muss verstehen, wie Führungskräfte Kultur durch ihr eigenes Verhalten prägen.
00:05:00: Stefan Ganzke: Und dann kann ich als Fachkraft für Arbeitssicherheit hier nur aktiv unterstützen. Man kann es ein bisschen verstehen wie Hilfe zur Selbsthilfe. Am Ende muss das unser Weg sein als Fachkraft für Arbeitssicherheit: Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.
00:05:15: Stefan Ganzke: Das Schöne ist: Natürlich ist das zu Beginn etwas mehr Aufwand, und dieser Aufwand ist nicht innerhalb einer Woche vorbei. Aber dann hast du hinterher Führungskräfte, die es verstanden haben, Mitarbeiter, die es verstanden haben, und die am Ende wirklich selbst ins Doing kommen – vielleicht auch die Akzeptanz für das Thema Sicherheit.
00:05:36: Stefan Ganzke: Praktisch heißt das: Nach der Mängelliste nicht aufhören, sondern gemeinsam mit Führungskräften einen realistischen Umsetzungsplan mit Fristen und Verantwortlichkeiten erarbeiten. Bei kritischen Punkten auch mal nachfassen – nicht als Kontrolleur, sondern wirklich nachfragen: Wie kommt ihr voran? Braucht ihr Unterstützung? Wo hakt es? Wie kann ich helfen, das Problem zu lösen?
00:06:00: Stefan Ganzke: Wichtig ist: Man soll das Problem nicht komplett übernehmen, sondern nur die helfende Hand reichen. Ein ganz wichtiger Punkt, der auch zur Steigerung der Akzeptanz beiträgt.
00:06:11: Stefan Ganzke: Man sollte sich auch selbst daran messen lassen, nicht nur an den Berichten, sondern auch daran, wie man bei der Umsetzung unterstützt hat. Und vor allem auch auf positive Dinge schauen – ich habe jetzt nur die Mängel angesprochen, aber auch als Fachkraft für Arbeitssicherheit in seiner beratenden Rolle sollte man Dinge ansprechen, die gut laufen.
00:06:33: Stefan Ganzke: Fehler 2: Keine Verantwortung übernehmen wollen, dieses Schwarz-Weiß-Denken, diese 100-Prozent-Lösung. Das ist für mich der zweite Fehler, der noch einen Schritt weitergeht: die Flucht ins Schwarz-Weiß-Denken.
00:06:47: Stefan Ganzke: Also: Ich bin nur für die Beratung zuständig, die rechtliche Verantwortung liegt beim Unternehmer – das stimmt juristisch. Wird aber auch manchmal als Ausrede genutzt, um keine Entscheidung treffen zu müssen.
00:06:58: Stefan Ganzke: Hier lohnt sich ein Blick in die Sozialpsychologie, konkret auf ein Phänomen, das seit den späten 60er-Jahren gut erforscht ist: die Verantwortungsdiffusion, zurückgehend auf die klassischen Arbeiten von Bibb Latané und John Darley zum sogenannten Bystander-Effekt.
00:07:16: Stefan Ganzke: Ein Kernbefund ist: Je mehr Personen theoretisch für ein Problem zuständig sein könnten, desto geringer fühlt sich jede einzelne Person tatsächlich verantwortlich.
00:07:26: Stefan Ganzke: Übertragen auf unseren Kontext: Wenn die Verantwortung beim Unternehmer, beim Arbeitgeber, bei der Führungskraft liegt, kann das dazu führen, dass sich am Ende niemand wirklich verantwortlich fühlt – und auch die Fachkraft für Arbeitssicherheit sich zurückzieht, obwohl sie es besser wüsste.
00:07:46: Stefan Ganzke: Aktuelle Forschung zeigt auch, dass sich diese Verantwortungsdiffusion, wo sie durch größere, unklare Rollen entsteht, gezielt reduzieren lässt – zum Beispiel durch klare Formulierung der Erwartungshaltung, durch klare Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten, durch höhere Sichtbarkeit des eigenen Handelns und durch bewusstes Vermeiden von Anonymität in Prozessen.
00:08:12: Stefan Ganzke: Am Ende des Tages beginnt es also auch hier – das haben wir schon oft gesagt: Es braucht eine klare Erwartungshaltung vom Management gegenüber der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Ich kann klar definieren, was ich will. Ich kann auch sagen: Ich will keine Fachkraft für Arbeitssicherheit, keinen Sicherheitsingenieur, der nur schwarz-weiß denkt, der keine Verantwortung für sein Handeln tragen möchte, der nur Berater ist. Das kann ich ganz sauber definieren.
00:08:35: Stefan Ganzke: Und dann kann sich jeder Sicherheitsingenieur, jede Fachkraft für Arbeitssicherheit überlegen: Ist das die Erwartungshaltung, die ich für meine Rolle auch so sehe, oder ist sie es nicht? Wenn man dann kein gemeinsames Verständnis findet, kann man sich auch einen neuen Job suchen, der Markt ist groß. Aber es braucht diese Klarheit.
00:08:52: Stefan Ganzke: Und oft scheitert es genau daran, dass das nicht sauber definiert ist – weil oft auch das Management gar nicht weiß, was die Fachkraft für Arbeitssicherheit eigentlich machen soll.
00:09:03: Stefan Ganzke: Mittlerweile gibt es auch von der DGUV und aus den Berufsgenossenschaften immer mehr Hinweise, dass es eben nicht die reine Beraterrolle sein soll, sondern eine beratende Rolle, die auch bedeutet, Menschen an die Hand zu nehmen.
00:09:17: Stefan Ganzke: Beim Schwarz-Weiß-Denken zeigt sich in der Praxis: Entweder man fühlt sich für alles verantwortlich und brennt dafür, oder man zieht sich komplett auf die Beraterrolle zurück und wäscht sozusagen die Hände in Unschuld. Beides ist unproduktiv.
00:09:31: Stefan Ganzke: Der Mittelweg heißt: fachliche Mitverantwortung übernehmen. Also wirklich klare Empfehlungen aussprechen, ohne der Führungskraft die eigentliche Entscheidungsverantwortung abzunehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den man als Fachkraft für Arbeitssicherheit, als Sicherheitsingenieur übernehmen muss.
00:09:49: Stefan Ganzke: Auch aus eigener Erfahrung, sowohl beim Kunden als auch bei mir selbst: Man muss sich klarmachen, dass man am Ende des Tages ohnehin eine Mitverantwortung trägt.
00:10:00: Stefan Ganzke: Ich habe ja schon ein paar Mal das Beispiel mit dem Mutterschutzgesetz genannt, wo es damals hieß, dass Arbeitnehmerinnen zum Mutterschutz zu unterweisen sind. In der Produktion arbeiteten aber nur Männer, 50 Jahre und älter, und dann kam die Frage auf: Was machen wir jetzt?
00:10:23: Stefan Ganzke: Wir haben uns bewusst dazu entschieden, und ich habe auch klar dazu gestanden, dass es keinen Sinn macht, die Männer zu unterweisen, wie man sich verhält, wenn man schwanger ist und in der Produktion stehen muss. Das war ein klares Bekenntnis von mir, das auch namentlich im Protokoll stand, dass wir das so entschieden haben.
00:10:43: Stefan Ganzke: Das ist aber genau das, was es braucht. Das gibt den Führungskräften Sicherheit, wenn der Experte sagt: Okay, alles klar, dazu stehe ich, trag mich ruhig mit ein. Ich übernehme diese Verantwortung mit dir zusammen – das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt.
00:10:57: Stefan Ganzke: Für die Praxis heißt das: Frag dich selbst, was dein Beitrag ist, wenn diese Maßnahme scheitert, auch wenn du formal nicht verantwortlich bist. Welche Empfehlungen kannst du konkret geben? Worum kümmerst du dich? Welche Aufgaben übernimmst du?
00:11:18: Stefan Ganzke: Fehler 3: die Arbeitsschutzpolizei. Gefühlt ist das schon deutlich weniger geworden. Kontrolle als wichtiges Werkzeug gibt es noch sehr häufig, aber dass die HSE-Abteilung, die initiativen Sicherheitsingenieure oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit die reine Arbeitsschutzpolizei sind, das hat deutlich nachgelassen, glaube ich.
00:11:39: Stefan Ganzke: Wenn du jetzt Werksleiter bist, Führungskraft, was auch immer für eine Rolle du hast, und du hast das Gefühl, dass dein Sicherheitsingenieur oder deine Fachkraft für Arbeitssicherheit eher im Kontrolletti-Modus unterwegs ist, dann formuliere klar und schriftlich deine Erwartungshaltung.
00:12:00: Stefan Ganzke: Wenn du sagst, du willst keinen Kontrolletti, keine Arbeitsschutzpolizei, sondern jemanden, der die Menschen an die Hand nimmt, dann schreib das fest. Das ist dein Job: Schreib fest, welche Erwartungshaltung du an diese Rolle hast.
00:12:16: Stefan Ganzke: Und dann kann jeder für sich entscheiden: Kann ich diese Erwartungshaltung erfüllen? Ja, nein, möchte ich mich weiterbilden, oder will ich das nicht? Dann kann man ganz einfach entscheiden, wie die Reise aussieht.
00:12:30: Stefan Ganzke: Das Problem zeigt sich, wenn man wirklich als Arbeitsschutzpolizei auftritt. Ich habe selbst Szenarien aus der Praxis erlebt, zwei-, dreimal: Beim Assessment kommt man mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit in die Produktionshalle, und plötzlich verschwinden alle hinter den Maschinen. Alle sind plötzlich weg, wie leergefegt – wie in einem alten Westernfilm, wo der Steppenläufer durch die leere Halle weht.
00:13:01: Stefan Ganzke: Das ist schon mal ein gutes Zeichen dafür, dass man als Arbeitssicherheitsabteilung nicht den besten Stellenwert bei den Leuten hat.
00:13:09: Stefan Ganzke: Auch aus eigener Erfahrung: Nach einem tödlichen Arbeitsunfall haben wir genau das gemacht, wir waren auch mehr die Arbeitsschutzpolizei. Am Ende muss man sagen: Das war nicht gut, weil wir dadurch nichts bewirkt haben.
00:13:24: Stefan Ganzke: Wir brauchen den Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Und den bekommt man nicht als Arbeitsschutzpolizei hin, sondern nur als jemand, der die Menschen an die Hand nimmt, Verständnis zeigt und wirklich verstehen will, warum Dinge passieren.
00:13:39: Stefan Ganzke: Anders gesagt: Wer als Arbeitsschutzpolizei auftritt, erreicht vielleicht kurzfristig eine sichtbare Regelkonformität. Aber sobald die Kontrolle fehlt, werden die Mitarbeiter wieder unvorsichtiger, weil sie in die Abwehrhaltung gehen. Und dann wird auch weniger über Risiken, über Beinaheunfälle, über Beinaheunfälle gesprochen.
00:14:05: Stefan Ganzke: Man sieht hier das Problem, dass wirklich Informationen verloren gehen. Auch in der Forschung zeigt sich bei Sicherheits-Anreizprogrammen ein ähnlicher Effekt: Ein Programm, das nur auf Kontrolle setzt, zum Beispiel reine Unfallprämien, führt häufig dazu, dass Vorfälle eher verschwiegen und nicht gemeldet werden – mit dem Ergebnis, dass Risiken nicht gemeldet werden.
00:14:29: Stefan Ganzke: Was heißt das jetzt für dich? Kontrolle ist per se nicht falsch, keine Frage, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich glaube, der Mittelweg ist: Beobachten und Rückmeldung zum Verhalten geben gehört dazu – darüber haben wir auch schon im letzten Podcast gesprochen.
00:14:49: Stefan Ganzke: Beobachten heißt nicht, sich heimlich hinter einem Busch zu verstecken, sondern klar zu formulieren, was man macht, dass man eine Beobachtung durchführt oder Ähnliches. Und dass alle das Commitment haben: Wenn ich etwas sehe, spreche ich es auch an.
00:15:05: Stefan Ganzke: Der Unterschied ist die Grundhaltung: Beobachtung als Grundlage für konstruktives Feedback und gemeinsame Problemlösung, zum Beispiel durch offene, systemische Fragen. Oder Kontrolle als Mittel zur Bloßstellung, Bestrafung oder mit negativem Unterton – das ist etwas anderes.
00:15:24: Stefan Ganzke: Deswegen ist es wichtig, aus dieser Rolle herauszukommen. Wenn du als Geschäftsführer oder Management zuhörst: Du hast es in der Hand. Und als Fachkraft für Arbeitssicherheit hast du es auch in der Hand. Überleg dir, wie du wirkst. Frag dich selbst: Wenn du in den Spiegel schaust, wie wirkst du als Arbeitsschutzpolizei? Was möchtest du erreichen? Willst du wirklich nur erreichen, dass die Leute Angst vor dir haben?
00:15:54: Stefan Ganzke: Wenn du reinkommst, alles sauber läuft, und du rausgehst und weißt, das machen die nur für dich – wenn das dein Ziel ist, dann tut es mir leid, denn ich glaube, dann ist die Zeit dieser Rolle bald vorbei.
00:16:05: Stefan Ganzke: Das klingt jetzt vielleicht hart, aber ich bin überzeugt, dass es so kommen wird. Vielleicht nicht nächstes Jahr, vielleicht nicht übernächstes Jahr, aber ich glaube, fünf Jahre übersteht man als Arbeitsschutzpolizei dieses Geschäft nicht mehr. Davon bin ich fest überzeugt, weil sich die Arbeitswelt gerade so stark verändert.
00:16:30: Stefan Ganzke: Wenn du noch im Denkmuster aus den 90er-Jahren bist, wo das Ganze gerade erst losging, dann hast du dich ein bisschen verrannt und solltest dich fragen, ob das wirklich gut ist.
00:16:38: Stefan Ganzke: Ein vierter Fehler ist, dass Strukturen fehlen. Das erlebe ich wirklich sehr oft, dass in den Fachabteilungen Strukturen fehlen, Prozesse nicht gut sind – zum Beispiel beim ASA. Wir haben eben das Thema Haltung besprochen, jetzt kommt die Organisation, also fehlende oder schwache Strukturen.
00:17:03: Stefan Ganzke: Das trägt am Ende dazu bei, dass Arbeitssicherheit nicht richtig ernst genommen wird. Wenn in einem Gremium wie dem ASA oder in einer Sicherheitsbeauftragten-Sitzung die einzige Aktion von der Fachkraft für Arbeitssicherheit kommt und alle im Raum sich fragen, was sie hier eigentlich tun, dann ist das schlecht.
00:17:18: Stefan Ganzke: Es gibt auch Forschung aus dem internationalen Bereich zum Thema Gremien, sogenannte Safety Committees oder Health and Safety Committees, die spannende Erkenntnisse liefert. Eine systematische Übersichtsarbeit zu diesen Gremien kommt immer zum zentralen Schluss: Entscheidend für die Wirksamkeit ist ein klar definiertes Mandat des Gremiums.
00:17:40: Stefan Ganzke: Das heißt, ich muss mir überlegen, was am Ende aus einer ASA-Sitzung, aus einer Sicherheitsbeauftragten-Sitzung oder aus einem Kulturgremium herauskommen soll. Ich brauche ein klares Mandat.
00:17:52: Stefan Ganzke: Und Komitees mit stärkeren Entscheidungsbefugnissen und einer höheren aktiven Beteiligung führen dazu, dass die Akzeptanz für Arbeitssicherheit steigt. Man sagt auch, dass die Anzahl gemeldeter Verletzungen dadurch sinkt – das setze ich mal in Klammern. Wichtiger ist, dass Beteiligung und ein aktiver Modus in einem Komitee, ob ASA, Sicherheitsbeauftragten-Sitzung, Kulturgremium oder anderen Arbeitsschutzgremien, eine große Wirkung haben.
00:18:23: Stefan Ganzke: Das heißt, du musst dir Gedanken machen, dir einen Überblick verschaffen, welche Prozesse es in deiner Arbeitsschutzorganisation gibt. Frag dich, wie sie ablaufen. Wie läuft der ASA ab? Ist das ein reiner Vortragsmodus, über den wir seit sechs Jahren dieselben Dinge besprechen, oder ist es interaktiv?
00:18:47: Stefan Ganzke: Wie läuft das Ganze ab? Verstecken sich alle hinter dem Laptop oder sind gedanklich gar nicht dabei? Oder gibt es schon Interaktion, gute Arbeit, ohne dass zwingend ein Protokoll geschrieben werden muss, sodass die Geschäftsführung sich durch die ein, zwei, drei Stunden trägt? Wird in kleinen Gruppen etwas erarbeitet?
00:19:07: Stefan Ganzke: Wie sieht die Sicherheitsbeauftragten-Sitzung aus? Ist es eine reine Meckerstunde, oder wird auch dort konstruktiv an Dingen gearbeitet? Das sind alles Fragen, die man sich anschauen muss – genauso wie: Wie strukturiert arbeitest du selbst?
00:19:22: Stefan Ganzke: Wenn du derjenige bist, der am unstrukturiertesten arbeitet, wirst du auch derjenige sein, der sagt: Ich habe keine Zeit, etwas zu machen, weil ich nur Feuerwehr spiele. Das mag zum Teil stimmen, aber der andere Teil ist, aus meiner Erfahrung, einfach eine Unstrukturiertheit bei der einen oder anderen Fachkraft für Arbeitssicherheit, bei dem einen oder anderen Sicherheitsingenieur.
00:19:41: Stefan Ganzke: Da muss man genau hinschauen. Deswegen haben wir bei uns im Training auch das Thema Zeitmanagement eingeführt, als Videokurs, auf den Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Sicherheitsingenieure in der Gruppen- oder Eins-zu-eins-Betreuung Zugriff haben. Das ist wichtig zu verstehen. Es ist keine Rocket Science, aber am Ende des Tages etwas, worüber man nachdenken sollte.
00:20:02: Stefan Ganzke: Fehler 5, und das sage ich auch in meinen Trainings: Wenn eines garantiert nicht gut läuft im Arbeitsschutz, dann ist es die Kommunikation. Das ist der fünfte und letzte Fehler, den ich hier aufführen möchte: die Kommunikation mit dem Top-Management, mit Führungskräften, mit Mitarbeitenden.
00:20:17: Stefan Ganzke: Viele Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind technisch gesehen wirklich gut. Diese TOP-Maßnahmen, also technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen, können sie gut entwickeln. Sie liefern fundierte Gefährdungsbeurteilungen, die sie selbst schreiben oder begleiten, machen die Berichte rechtskonform, alles schick.
00:20:45: Stefan Ganzke: Aber wenn es um die Kommunikation geht, hat man wirklich ein Problem. Es gibt eine europäische Studie zur Umsetzung der sogenannten Vision Zero, bei der in 27 Unternehmen aus sieben Ländern rund 9.000 Personen befragt wurden.
00:20:56: Stefan Ganzke: Und hier zeigt sich klar: Ein gemeinsames Merkmal aller untersuchten Unternehmen war ein hohes Commitment von Managern und Mitarbeitenden. Und dieses Commitment war typischerweise fest in der Unternehmensstrategie verankert, nicht nur in separaten Richtlinien, sondern wirklich in der Strategie selbst.
00:21:12: Stefan Ganzke: Das heißt: Wenn das so erfolgreich ist und heute noch nicht in der eigenen Unternehmensstrategie verankert ist, dann ist das oft auch ein Thema der Kommunikation zwischen dir als Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Sicherheitsingenieur und dem Management.
00:21:26: Stefan Ganzke: Deswegen ist es wichtig, dass Kommunikation dauerhaft läuft. Das heißt auch: Wenn du am Shopfloorboard bist, sprich auch mal Dinge an, die gut laufen. Oft geht es nur darum, was nicht gut läuft – das gilt übrigens auch für Führungskräfte.
00:21:44: Stefan Ganzke: Überleg dir, deine Kommunikation zielgruppenspezifisch zu gestalten. Oft sprechen Arbeitsschützer mit jeder Zielgruppe in derselben Sprache und machen sich keine Gedanken darüber, welche Probleme oder Herausforderungen die jeweilige Zielgruppe hat und welche Lösung sie erwartet. Das ist auch ein Problem.
00:22:07: Stefan Ganzke: Deswegen steht bei uns im Training zu Beginn immer die Frage: Entwickle mal ein Zielgruppenverständnis. Das ist elementar wichtig, wird aber oft nicht gemacht. Und deswegen können wir die Menschen in der Kommunikation auch nicht richtig erreichen.
00:22:21: Stefan Ganzke: Oder wir machen Monatsthemen, die schlecht mit KI erstellt wurden, oder Texte, die keiner versteht, oder eine Kampagne auf Englisch, obwohl wir wissen, dass in der Produktion die meisten kein Englisch sprechen. Das sind alles Fehler, die immer wieder passieren.
00:22:38: Stefan Ganzke: Deswegen ist es wichtig, dass wir als Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Sicherheitsingenieure uns weiterentwickeln. Dinge, die vor fünf oder zehn Jahren gut waren, müssen heute nicht mehr gut sein. Das ist wie bei Beratern: Ein Berater, der seit 20 Jahren dasselbe macht, ohne sein System weiterzuentwickeln, kann gar nicht mehr passen.
00:23:05: Stefan Ganzke: Wir bei Wandelwerker sitzen immer zusammen und überlegen, was wir gerade aus Erkenntnissen von Trainings bei unseren Kunden lernen, wie sich der Markt verändert. Wir analysieren wissenschaftliche Studien, schauen uns Literatur an, haben einen guten Fühler in die Wirtschaft hinein, durch viele Gespräche mit Unternehmen, etwa über unseren Vertrieb.
00:23:29: Stefan Ganzke: Alles Relevante, was wir hören, wird weitergegeben, und darum entwickeln wir unser System immer weiter, um aktuell zu bleiben und natürlich auch, um besser zu werden. Wenn man das als Berater nicht macht, ist man auch bald vom Markt weg. Das ist bei Wandelwerker nicht der Fall, deswegen entwickeln wir uns weiter.
00:23:49: Stefan Ganzke: Und dasselbe gilt für Arbeitsschützer, für Führungskräfte: Entwickelt euch weiter, macht nicht immer dasselbe, bleibt nicht dabei stehen zu sagen: Das haben wir vor zehn Jahren schon so gemacht. Das ist ungefähr so wie „Ist ja noch nie was passiert" – genauso übertragbar.
00:24:11: Stefan Ganzke: Deswegen ist es wichtig: Entwickel dich weiter, schau über den Tellerrand. Und wenn du sagst, das ist spannend für mich, wie kann ich mich als Fachkraft für Arbeitssicherheit weiterentwickeln – dafür haben wir auch etwas: einen Kurs, eine Trainingseinheit.
00:24:20: Stefan Ganzke: Wenn das relevant für dich ist, wenn du diesen Support willst, wenn du dich weiterentwickeln willst und verstanden hast, dass du nicht so bleiben kannst, wie du jetzt bist, dann geh jetzt auf www.wandelwerker.com und buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Ich freue mich, dich im Gespräch kennenzulernen, mit dir Lösungen zu finden. Bis bald.
00:24:51: Anna Ganzke: Vielen Dank, dass du heute wieder dabei warst. Wenn dir gefallen hat, was du heute gehört hast, dann war das nur die Kostprobe.
00:24:57: Anna Ganzke: Willst du wissen, ob du für eine Zusammenarbeit geeignet bist, dann geh jetzt auf www.wandelwerker.com/termin und buche dir einen Termin.
00:25:06: Anna Ganzke: In diesem 45-minütigen Beratungsgespräch wird eine Strategie für dich erstellt. Du erfährst, in welchen Schritten du an der Einstellung der Menschen im Unternehmen arbeitest, sichere Gewohnheiten schaffst und somit die Arbeitsunfälle nachhaltig reduzierst.
00:25:20: Anna Ganzke: Vergiss eine Sache bitte nicht: Wenn seit Jahren die Unfallzahlen bei dir stagnieren, dann verbessert sich der Zustand nicht von alleine. Du brauchst einen Berater, der dir zeigt, welche Schritte du befolgen sollst und welche lieber nicht.
00:25:34: Anna Ganzke: Wir haben Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei geholfen, die Sicherheitskultur in deren Unternehmen und bei deren Kunden zu verbessern.
00:25:44: Anna Ganzke: Als Kooperationspartner des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit liegt es uns am Herzen, dir das notwendige Handwerkszeug auf dem Weg zur Vision Zero zu zeigen und bei der Umsetzung zu unterstützen.
00:25:56: Anna Ganzke: Wenn du wissen willst, ob du für eine Zusammenarbeit geeignet bist, dann sichere dir jetzt unter www.wandelwerker.com/termin deinen persönlichen Termin.
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