#451 Von der Regelbefolgung zur echten Beteiligung im Arbeitsschutz

Shownotes

In der neuen Folge des Wandelwerker Podcasts spricht Stefan darüber, warum reine Regeln, Unterweisungen und ständige Kontrollen im Arbeitsschutz selten zu dauerhaft sicherem Verhalten führen. Er beleuchtet, dass dicke Ordner voller Unterschriften noch lange kein wirksames Sicherheitsklima schaffen. Vielmehr kommt es darauf an, welche tatsächliche Priorität die Arbeitssicherheit im betrieblichen Alltag genießt – besonders dann, wenn der Produktionsdruck steigt.

Ein zentraler Hebel für diesen Kulturwandel ist das Management. Stefan erklärt wissenschaftlich fundiert den Unterschied zwischen reiner Regelbefolgung (Safety Compliance) und der aktiven Einbindung der Belegschaft (Safety Participation). Praxisnah wird aufgezeigt, wie durch vorbildhaftes Verhalten der Führungskräfte, aktives Zuhören und systematische Methoden wie Behavior-Based Safety (BBS) eine nachhaltige Sicherheitskultur gestaltet werden kann, bei der Mitarbeitende Gefahren proaktiv melden und sich gegenseitig schützen.

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00:00:00: Anna Ganzke: Die Wandelwerker haben eine Mission: den Arbeitsschutz in den Unternehmen auf ein neues Level heben.

00:00:05: Anna Ganzke: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Wandelwerker Podcasts, dem ersten deutschen Arbeitsschutz-Podcast für ganzheitliche und innovative Ideen im Arbeitsschutz.

00:00:13: Anna Ganzke: Heutzutage können Informationen schnell gegoogelt werden.

00:00:16: Anna Ganzke: Experten, die mit neuen Strategien und Methoden Arbeitsunfälle nachhaltig reduzieren, sind gefragter denn je.

00:00:22: Anna Ganzke: Die Wandelwerker zeigen Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit Schritt für Schritt, wie genau das funktioniert und wie damit den stagnierenden Unfallzahlen ein Ende gesetzt wird.

00:00:33: Anna Ganzke: Es gibt keinen Grund, länger zu warten.

00:00:35: Anna Ganzke: Jetzt ist der Zeitpunkt, die Arbeitsunfälle zu reduzieren.

00:00:39: Stefan Ganzke: Stell dir einmal die folgende Situation vor.

00:00:41: Stefan Ganzke: Vielleicht kennst du sie auch selbst aus deinem Unternehmen.

00:00:43: Stefan Ganzke: In einem Unternehmen gibt es gute Prozesse und Strukturen im Arbeitsschutz. Alles ist dokumentiert, die Gefährdungsbeurteilungen liegen weitestgehend vor und Schulungen wurden durchgeführt. Für die Prozesse, Strukturen und Arbeitsvorgaben wurden die entsprechenden Unterschriften eingesammelt. Trotzdem wird auf der Fläche die Schutzbrille abgesetzt.

00:01:06: Stefan Ganzke: Sobald der Vorgesetzte um die Ecke verschwunden ist, werden Absperrungen kurzerhand umgangen. Der Gehörschutz bleibt in der Schublade. Auch die Führungskräfte selbst sind nicht immer Vorreiter. Sie schauen bei unsicheren Verhaltensweisen weg und basteln Prozesse zusammen, die nicht gut funktionieren.

00:01:26: Stefan Ganzke: Kommt dir das bekannt vor?

00:01:28: Stefan Ganzke: Dann ist die heutige Folge richtig für dich.

00:01:30: Stefan Ganzke: Mein Name ist Stefan. Ich bin Geschäftsführer der Wandelwerker Consulting GmbH. Gemeinsam mit unserem Team aus knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützen wir Unternehmen aus Mittelstand und Konzernen dabei, ihre Sicherheitskultur ganzheitlich und systematisch weiterzuentwickeln, um Arbeitsunfälle und unsichere Situationen nachhaltig zu senken.

00:01:54: Stefan Ganzke: Heute schauen wir uns an, warum Wissen allein nicht schützt und wie wir Arbeitssicherheit wirklich in den Alltag integrieren.

00:02:03: Stefan Ganzke: Wichtig ist zu verstehen: Wie schaffen wir es, dass Arbeitssicherheit nicht nur auf dem Papier existiert, sondern in den Köpfen und Händen der Menschen verankert ist – bei Führungskräften ebenso wie bei Mitarbeitenden?

00:02:21: Stefan Ganzke: Dazu gibt es nicht nur Bauchgefühl und Erfahrungswerte, die ebenfalls sehr wichtig sind, sondern auch jede Menge solide Forschung.

00:02:33: Stefan Ganzke: Ich nehme euch heute mit in wichtige Erkenntnisse. Vor allem schauen wir darauf, wie ihr diese ganz konkret bei euch im Unternehmen umsetzen könnt.

00:02:46: Stefan Ganzke: Fangen wir mit der unbequemsten Wahrheit an.

00:02:49: Stefan Ganzke: Regeln und Kontrollen allein verändern das Verhalten nur selten dauerhaft.

00:02:55: Stefan Ganzke: Das ist für dich als Hörerin oder Hörer wahrscheinlich keine neue Erkenntnis.

00:02:58: Stefan Ganzke: Auch die Bradley-Kurve, über die wir schon häufig gesprochen haben, zeigt das – selbst wenn sie ohne Frage ihre Schwächen hat.

00:03:05: Stefan Ganzke: Wenn ich ausschließlich über Regeln gehe und deren Einhaltung kontrolliere, werde ich nur selten eine soziale Kultur des Miteinanders erreichen.

00:03:15: Stefan Ganzke: Das zeigt sich auch immer wieder in der Praxis.

00:03:16: Stefan Ganzke: Unternehmen führen neue Vorschriften ein. Anschließend wird deren Einhaltung intensiv kontrolliert.

00:03:22: Stefan Ganzke: Wie so häufig verläuft das in Wellen: Zunächst wird mehr kontrolliert, anschließend weniger und irgendwann ebbt die Kontrolle vollständig ab.

00:03:28: Stefan Ganzke: Sobald der Kontrolldruck nachlässt, fallen die Beschäftigten – und dazu gehören Führungskräfte ebenso wie Mitarbeitende – in alte Muster zurück.

00:03:38: Stefan Ganzke: Dazu gibt es Forschung. Der israelische Organisationspsychologe Dov Zohar hat dafür schon vor vielen Jahren einen entscheidenden Begriff geprägt.

00:03:53: Stefan Ganzke: Sicherheitsklima, im Original „Safety Climate“.

00:03:56: Stefan Ganzke: Die Forschung zeigt, dass am Ende nicht das zählt, was in Handbüchern und Arbeitsanweisungen steht, sondern das, was die Belegschaft tatsächlich als gelebte Priorität wahrnimmt.

00:04:11: Stefan Ganzke: Ich kann den Menschen in der Theorie noch so viel Zeit für Sicherheit geben. Ich kann tolle Prozesse, Kampagnen und Claims entwickeln. Wenn in der betrieblichen Praxis jedoch deutlich wird, dass der Produktionsdruck höher gewichtet wird und Sicherheit hinten ansteht, wird Sicherheit nicht als fester Bestandteil der Unternehmenskultur wahrgenommen. Ein angemessenes Sicherheitsklima kann so nicht entstehen.

00:04:44: Stefan Ganzke: Und genau hier wird es spannend.

00:04:45: Stefan Ganzke: Zohar konnte in mehreren Studien zeigen, dass das wahrgenommene Sicherheitsklima konkret mit der Häufigkeit kleinerer Arbeitsunfälle und Verletzungen sowie mit der Reaktion darauf zusammenhängt.

00:05:00: Stefan Ganzke: Je klarer ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin spürt, dass Arbeitssicherheit wirklich wichtig ist und es sich nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, desto stärker verändert sich auch das Verhalten in eine sichere Richtung.

00:05:15: Stefan Ganzke: Natürlich müssen die entsprechenden Prozesse damit einhergehen.

00:05:18: Stefan Ganzke: Kurz gesagt: Ein Ordner voller Unterschriften unter Unterweisungen erzeugt noch lange kein Sicherheitsklima.

00:05:27: Stefan Ganzke: Sicherheitsklima entsteht im täglichen Verhalten und vor allem durch das Verhalten der Führungskräfte.

00:05:32: Stefan Ganzke: Wie verhalten sie sich? Auch das Verhalten der Mitarbeitenden spielt eine Rolle, aber im ersten Schritt geht es um die Führungskräfte.

00:05:37: Stefan Ganzke: Damit kommen wir zum zweiten Hebel: der Rolle der Führungskraft.

00:05:42: Stefan Ganzke: Man könnte sagen: Vorbild schlägt Vorschrift.

00:05:47: Stefan Ganzke: Wenn man sich die Forschung der vergangenen 20 Jahre anschaut, kristallisiert sich immer wieder dasselbe Muster heraus.

00:05:55: Stefan Ganzke: Führung ist einer der stärksten Hebel, um Arbeitssicherheit und Verhaltensweisen im Unternehmen zu verändern.

00:06:03: Stefan Ganzke: Dazu wurden Dutzende Einzelstudien zur Verbindung von Führung und Sicherheit durchgeführt.

00:06:11: Stefan Ganzke: Ein zentrales Ergebnis war, dass sowohl transformationale Führung durch Vorbild, Sinnvermittlung und echtes Engagement als auch klare Zielvorgaben und Feedback einen positiven Einfluss auf sicheres Verhalten haben.

00:06:26: Stefan Ganzke: Allerdings gibt es dabei einen kleinen, aber feinen Unterschied.

00:06:30: Stefan Ganzke: Die verschiedenen Führungsstile wirken auf unterschiedliche Aspekte von Sicherheit.

00:06:34: Stefan Ganzke: Klare Ansagen, Zielvereinbarungen und Feedback – also eher der transaktionale Teil – fördern vor allem die Einhaltung von Regeln. Es geht um Safety Compliance beziehungsweise die zweite Stufe der Bradley-Kurve.

00:06:48: Stefan Ganzke: Vorbildhaftes und inspirierendes Verhalten der Führungskraft – also der transformationale Teil – fördert dagegen vor allem die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden.

00:07:00: Stefan Ganzke: Mitarbeitende melden unsichere Zustände und Gefahren, machen Verbesserungsvorschläge, beteiligen sich aktiv und kümmern sich auch um die Sicherheit ihrer Kolleginnen und Kollegen.

00:07:13: Stefan Ganzke: Für die Praxis bedeutet das: Wer ausschließlich kontrolliert und Konsequenzen androht, erreicht vermutlich eine höhere Regelkonformität.

00:07:23: Stefan Ganzke: Die Mitarbeitenden werden sich dadurch jedoch wahrscheinlich weniger stark proaktiv einbringen.

00:07:33: Stefan Ganzke: Es gibt außerdem eine neuere Meta-Analyse aus dem Jahr 2022.

00:07:39: Stefan Ganzke: Dafür wurden 30 Studien aus den Jahren 2000 bis 2021 zusammengeführt. Die Forschenden kamen zu einem ähnlichen Schluss.

00:07:47: Stefan Ganzke: Sicherheits-Leadership wirkt nicht nur direkt auf das Verhalten, sondern vor allem über das Sicherheitsklima im Team.

00:07:54: Stefan Ganzke: Führungskräfte prägen zunächst massiv die wahrgenommene Priorität von Sicherheit. Genau deshalb ist ihre Rolle so wichtig.

00:08:01: Stefan Ganzke: Das gilt für Produktionsleitungen, Logistikleitungen, Teamleitungen, Schichtführungen oder Maschinenführungen – also für alle Rollen, die Führungsverantwortung tragen.

00:08:13: Stefan Ganzke: Sie prägen die Priorität von Sicherheit. Diese wahrgenommene Priorität wirkt sich anschließend auf das tatsächliche Verhalten der Mitarbeitenden aus.

00:08:23: Stefan Ganzke: Vielleicht ist gerade Sommerurlaubszeit, der Produktionsdruck bleibt aber bestehen, weil weiterhin produziert werden muss.

00:08:32: Stefan Ganzke: Es gibt viele Unternehmen in Deutschland, die gut ausgelastet sind. Es läuft also längst nicht überall so schlecht, wie man manchmal liest.

00:08:39: Stefan Ganzke: Dann ist Druck auf dem Kessel.

00:08:42: Stefan Ganzke: Plötzlich steht weniger Personal zur Verfügung. Vielleicht kommen Personalausfälle oder Leiharbeitskräfte hinzu.

00:08:49: Stefan Ganzke: Häufig wird dann vom Sicherheitsniveau abgewichen oder ein Auge zugedrückt, weil die Ware unbedingt vom Band kommen muss.

00:08:58: Stefan Ganzke: Die Mitarbeitenden merken dadurch sofort, dass sich die Priorisierung verändert hat und die kommunizierten Werte nicht mehr zur Realität passen.

00:09:07: Stefan Ganzke: Dazu gibt es noch einen weiteren Punkt aus der Forschung.

00:09:10: Stefan Ganzke: Eine Studie aus dem Baugewerbe hat den zeitlichen Verlauf von Führung und Sicherheitsverhalten über mehrere Monate untersucht.

00:09:19: Stefan Ganzke: Als Führungskraft muss ich zunächst etwas hineingeben. Erst danach verändert sich über mehrere Monate hinweg auch das Verhalten der Mitarbeitenden.

00:09:31: Stefan Ganzke: Wenn das Management eine neue Richtung vorgibt, dauert es ebenfalls mehrere Monate, bis die Mehrheit der Führungskräfte ihr Verhalten angepasst hat.

00:09:38: Stefan Ganzke: Wir müssen uns also bewusst machen, dass Veränderungen Zeit kosten.

00:09:42: Stefan Ganzke: Ich kann nicht einfach sagen: „Ich ändere jetzt etwas“, und erwarten, dass sofort alles besser ist.

00:09:46: Stefan Ganzke: Was bedeutet das nun für die Praxis?

00:09:48: Stefan Ganzke: Führungskräfte müssen Sicherheit selbst sichtbar vorleben – auch dann, wenn es unbequem oder zeitaufwendig ist.

00:09:56: Stefan Ganzke: Ein Vorgesetzter, der bei einem Rundgang selbst keine persönliche Schutzausrüstung trägt, wirkt stärker negativ als jedes Plakat.

00:10:07: Stefan Ganzke: Wer die persönliche Schutzausrüstung trägt, unsicheres Verhalten anspricht und sichere Verhaltensweisen positiv hervorhebt, wirkt stärker als jedes Plakat – in diesem Fall im positiven Sinne.

00:10:19: Stefan Ganzke: Sicherheitsthemen gehören in reguläre Meetings.

00:10:23: Stefan Ganzke: Sie dürfen allerdings nicht zu einer reinen Pflichtübung werden.

00:10:26: Stefan Ganzke: Nach dem Motto: „Wir müssen jetzt noch über Sicherheit sprechen.“

00:10:28: Stefan Ganzke: Vielleicht kennt ihr den Safety Moment, bei dem jedes Meeting mit einem Sicherheitsthema beginnt.

00:10:32: Stefan Ganzke: Auch hier muss geprüft werden, ob das wirklich sinnvoll ist oder ob es sich nur um eine Pflichtübung handelt.

00:10:37: Stefan Ganzke: Die Menschen merken, wenn etwas nur gemacht wird, weil es vorgeschrieben ist.

00:10:40: Stefan Ganzke: Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

00:10:45: Stefan Ganzke: Führungskräfte sollten aktiv nachfragen und zuhören, statt ausschließlich zu kontrollieren. Wenn ich aus einer regelorientierten Phase in eine soziale Kultur kommen möchte, muss ich vor allem Interesse zeigen.

00:11:00: Stefan Ganzke: Ich muss nachfragen und zuhören.

00:11:04: Stefan Ganzke: Die Forschung zeigt dabei auch einen Umkehreffekt.

00:11:09: Stefan Ganzke: Wenn Mitarbeitende sich sicherheitsbewusst verhalten, hören Führungskräfte ihnen in der Folge ebenfalls aktiver zu.

00:11:15: Stefan Ganzke: Sicherheit ist also keine Einbahnstraße von oben nach unten, sondern ein Wechselspiel.

00:11:20: Stefan Ganzke: Genau das wird häufig vergessen.

00:11:22: Stefan Ganzke: Oft wird gesagt, alles beginne und ende mit der Führung. Das stimmt so nicht.

00:11:26: Stefan Ganzke: Bei Wandelwerker betrachten wir die Entwicklung eher wie eine Schere.

00:11:29: Stefan Ganzke: Ich muss zunächst prüfen, wo das Unternehmen kulturell steht. Anschließend muss ich mit Führungskräften und Mitarbeitenden daran arbeiten, dass sich die Kultur weiterentwickelt.

00:11:36: Stefan Ganzke: Das ist ein ganz wichtiger Punkt.

00:11:38: Stefan Ganzke: Wir wollen schließlich erreichen, dass Mitarbeitende von der reinen Regelbefolgung zu einer echten Beteiligung kommen.

00:11:49: Stefan Ganzke: Darüber haben wir schon häufig gesprochen.

00:11:51: Stefan Ganzke: In der Forschung wird zwischen Safety Compliance und Safety Participation unterschieden.

00:12:02: Stefan Ganzke: Bei Safety Compliance befolgen wir Regeln, tragen unsere persönliche Schutzausrüstung und halten Vorschriften ein.

00:12:08: Stefan Ganzke: Safety Participation geht darüber hinaus. Gefahren von sich aus zu melden, ist noch einmal etwas ganz anderes.

00:12:14: Stefan Ganzke: Auf der zweiten Stufe der Bradley-Kurve werden wir dieses Verhalten noch nicht besonders häufig erleben.

00:12:18: Stefan Ganzke: Bei Safety Participation nehmen wir aktiv an Dialogen zur Arbeitssicherheit teil. Wenn wir eine Kollegin oder einen Kollegen sehen, die oder der sich nicht sicher verhält oder eine Arbeit aufnimmt, weisen wir auf mögliche Risiken hin.

00:12:32: Stefan Ganzke: Außerdem reichen wir Verbesserungsvorschläge ein.

00:12:35: Stefan Ganzke: Hier wird der große Unterschied sichtbar: reine Regelbefolgung auf der einen Seite und aktive Beteiligung auf der anderen.

00:12:40: Stefan Ganzke: Genau hier liegt ein wichtiger Forschungsbefund. Mehrere Studien zeigen, dass reine Regelbefolgung allein die Unfallzahlen häufig nicht ausreichend senkt.

00:12:51: Stefan Ganzke: Auch die Bradley-Kurve verdeutlicht das.

00:12:53: Stefan Ganzke: Erst wenn Mitarbeitende sich aktiv beteiligen, sinkt das Risiko von Arbeitsunfällen spürbar weiter.

00:13:02: Stefan Ganzke: Was fördert diese Beteiligung?

00:13:04: Stefan Ganzke: Ein wichtiger Faktor ist die wahrgenommene Unterstützung durch die Organisation.

00:13:09: Stefan Ganzke: Ich muss das Gefühl haben, dass meine Sicherheit dem Unternehmen wirklich wichtig ist.

00:13:12: Stefan Ganzke: Ich darf nicht nur als Kennzahl betrachtet werden. Wenn ich lediglich eine Kennzahl bin, entsteht nicht das Gefühl, dass es wirklich um mich als Menschen geht.

00:13:20: Stefan Ganzke: Deshalb muss aus dem Unternehmen eine klare Botschaft kommen. Diese Botschaft muss nicht nur ausgesprochen, sondern auch gelebt werden.

00:13:27: Stefan Ganzke: Dem Unternehmen muss es erkennbar um die Sicherheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen.

00:13:33: Stefan Ganzke: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 zeigt, dass die wahrgenommene organisationale Unterstützung für Sicherheit und die organisationale Verbundenheit deutlich mit dem sicheren Verhalten der Mitarbeitenden zusammenhängen.

00:13:50: Stefan Ganzke: Sicherheit darf deshalb nicht wie eine lästige Pflicht von oben wirken.

00:13:54: Stefan Ganzke: Sie muss als gemeinsames Anliegen verstanden werden, bei dem jede Stimme zählt.

00:13:58: Stefan Ganzke: Wenn uns das gelingt, haben wir einen konkreten Hebel, um Sicherheit weiter nach vorne zu bringen.

00:14:05: Stefan Ganzke: Dazu gehört beispielsweise, die Meldewege für Beinaheunfälle so einfach und niedrigschwellig wie möglich zu gestalten und Meldungen nicht sofort mit Sanktionen zu verknüpfen.

00:14:16: Stefan Ganzke: Natürlich kann es Situationen geben, in denen Sanktionen notwendig sind. Die Möglichkeit einer Sanktion darf Menschen aber nicht davon abschrecken, etwas zu melden. Sonst wird irgendwann gar nichts mehr gemeldet.

00:14:23: Stefan Ganzke: Mitarbeitende sollten aktiv in Gefährdungsbeurteilungen, Safety Walks und die Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen einbezogen werden. Vor allem müssen sie anschließend eine Rückmeldung erhalten.

00:14:31: Stefan Ganzke: Wenn keine Rückmeldung erfolgt, wird die Beteiligung nachlassen. Die Menschen fragen sich dann, wofür sie sich überhaupt einbringen, wenn am Ende nichts daraus entsteht.

00:14:41: Stefan Ganzke: Ich möchte außerdem den Aspekt des von uns bei Wandelwerker entwickelten Safety Culture Performance Systems einbringen. Dabei geht es darum, präventiv zu arbeiten.

00:14:52: Stefan Ganzke: Sicherheitsbeauftragte können beispielsweise in SiBe-Checks, Sicherheitsgespräche und Safety Walks eingebunden werden, um echte Beteiligung zu ermöglichen.

00:15:05: Stefan Ganzke: Auch Kultur- oder Arbeitsschutzgremien können geschaffen werden, in die Mitarbeitende wirklich eingebunden sind.

00:15:13: Stefan Ganzke: Schauen wir noch etwas konkreter darauf, wie Verhalten nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig verändert werden kann.

00:15:19: Stefan Ganzke: Hier kommt das Thema Behavior Based Safety, kurz BBS, ins Spiel.

00:15:23: Stefan Ganzke: Wichtig ist, daraus kein künstliches Gegeneinander zu machen, beispielsweise HOP gegen BBS. Darum geht es nicht.

00:15:30: Stefan Ganzke: BBS ist eine mögliche Option.

00:15:32: Stefan Ganzke: Die Grundidee ist, nicht nur abstrakt über Sicherheitskultur zu sprechen, sondern ganz konkrete und sichtbare Verhaltensweisen zu beobachten.

00:15:42: Stefan Ganzke: Dazu gehören beispielsweise das richtige Heben schwerer Lasten, das Tragen von Schutzbrillen und der sichere Umgang mit Maschinen – auch bei Wartung und Instandhaltung.

00:15:56: Stefan Ganzke: Zu diesen Verhaltensweisen gibt es regelmäßiges und zeitnahes Feedback.

00:15:59: Stefan Ganzke: Dazu gehört konstruktives Feedback, wie etwas verbessert werden kann, ebenso wie positives Feedback, wenn etwas bereits gut funktioniert.

00:16:04: Stefan Ganzke: Es gibt viele Studien zu BBS-Programmen, die zeigen, welche Auswirkungen diese Programme haben und wie dadurch Unfallzahlen reduziert werden können.

00:16:13: Stefan Ganzke: Entscheidend ist nicht nur, dass Feedback gegeben wird, sondern auch, wie es gegeben wird.

00:16:19: Stefan Ganzke: Eine Studie zeigt beispielsweise, dass eine Rückmeldung, die verdeutlicht, wie das eigene Team im Vergleich zu anderen Teams steht, zu besseren Ergebnissen führen kann als ausschließlich individuelles Feedback.

00:16:30: Stefan Ganzke: Der Anteil sicherer Verhaltensweisen lag in dieser Studie bei rund 78 Prozent gegenüber 68 Prozent in der Vergleichsgruppe.

00:16:37: Stefan Ganzke: Dabei wurden das eigene Team und ein Vergleichsteam gegenübergestellt.

00:16:41: Stefan Ganzke: Auch solche Elemente können in das Safety Culture Performance System einfließen.

00:16:49: Stefan Ganzke: Ebenso kann über einen Gamification-Ansatz nachgedacht werden.

00:16:52: Stefan Ganzke: Wir wissen, dass uns ein solcher Ansatz als Menschen zusätzlich motivieren kann.

00:16:56: Stefan Ganzke: Für die Praxis ergeben sich daraus drei Bausteine. Der erste lautet: beobachten statt nur kontrollieren.

00:17:02: Stefan Ganzke: Beobachtungen sollten nicht als Bestrafungsinstrument verstanden werden, sondern als regelmäßiger und wertschätzender Blick auf konkrete Verhaltensweisen.

00:17:09: Stefan Ganzke: Idealerweise werden sie von geschulten Kolleginnen und Kollegen durchgeführt.

00:17:11: Stefan Ganzke: Solche Ansätze bieten wir bei Wandelwerker ebenfalls an.

00:17:13: Stefan Ganzke: Die Beobachtung erfolgt nicht nur von oben, sondern gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

00:17:17: Stefan Ganzke: Auch Führungskräfte können einbezogen werden. Entscheidend ist, genau zu prüfen, welche Vorgehensweise für das jeweilige Unternehmen sinnvoll ist.

00:17:24: Stefan Ganzke: Der zweite Baustein ist zeitnahes und konkretes Feedback.

00:17:25: Stefan Ganzke: Man sollte nicht erst auf das Jahresgespräch warten. Rückmeldung wirkt am stärksten, wenn sie kurz nach dem beobachteten Verhalten erfolgt.

00:17:32: Stefan Ganzke: Sie sollte nicht erst Wochen später gegeben werden. Das kennen wir auch aus dem privaten Alltag und aus der Kindererziehung.

00:17:38: Stefan Ganzke: Es ergibt wenig Sinn, ein Verhalten erst eine halbe Stunde später anzusprechen.

00:17:44: Stefan Ganzke: Dann ist die Situation bereits passé und die Rückmeldung hat deutlich weniger Wirkung.

00:17:47: Stefan Ganzke: Deshalb sollte das Verhalten möglichst zeitnah und am besten direkt angesprochen werden.

00:17:52: Stefan Ganzke: Der dritte Baustein lautet: sichtbare gemeinsame Ziele vereinbaren statt abstrakter Kennzahlen.

00:17:57: Stefan Ganzke: Bei BBS sollen Teams ihre Entwicklung sehen und sich gegebenenfalls auch miteinander vergleichen können.

00:18:04: Stefan Ganzke: Dadurch kann ein gesunder Ehrgeiz entstehen. Man muss allerdings darauf achten, dass dieser Wettbewerb nicht übertrieben wird.

00:18:10: Stefan Ganzke: Sicherheit sollte ein Stück weit zu einer gemeinsamen Teamleistung werden.

00:18:13: Stefan Ganzke: Wenn präventive Themen betrachtet werden und nicht nur Kennzahlen zu Arbeitsunfällen, kann das eine große Wirkung haben.

00:18:19: Stefan Ganzke: Ein wichtiger Hinweis, den auch mehrere Studien betonen: Die Beobachtung darf niemals zu einer verdeckten Überwachung führen.

00:18:25: Stefan Ganzke: Das ist ganz wichtig.

00:18:27: Stefan Ganzke: Wenn jemand ein Loch in eine Zeitung schneidet und dadurch heimlich die Beschäftigten beobachtet, hat das überhaupt nichts mit BBS zu tun.

00:18:35: Stefan Ganzke: Ebenso wenig geht es darum, andere anzuschwärzen, ausschließlich zu bestrafen oder abzumahnen.

00:18:39: Stefan Ganzke: Das hat nichts mit einem wissenschaftlich fundierten BBS-Ansatz zu tun.

00:18:42: Stefan Ganzke: Vielleicht gibt es Anbieter, die BBS auf diese Weise verkaufen.

00:18:47: Stefan Ganzke: Wenn man genauer hinschaut, ist ein solcher Ansatz jedoch unsinnig und führt nicht zum gewünschten Ergebnis.

00:18:52: Stefan Ganzke: Bei BBS geht es darum, positives Verhalten zu fördern.

00:18:56: Stefan Ganzke: Sobald Mitarbeitende BBS als Kontrollinstrument oder als gegen sie gerichtete Maßnahme wahrnehmen, kippt die positive Stimmung schnell ins Gegenteil.

00:19:05: Stefan Ganzke: Deshalb muss BBS gut durchdacht eingeführt werden.

00:19:09: Stefan Ganzke: Es kann nicht in jedem Unternehmen sofort eingeführt werden. Zunächst muss geprüft werden, wo das Unternehmen kulturell steht und ob BBS gerade das passende Instrument ist oder ob vorher andere Schritte notwendig sind.

00:19:21: Stefan Ganzke: Wir sehen also: Wenn Regeln eingehalten werden sollen, braucht es mehr als die reine Regel.

00:19:28: Stefan Ganzke: Es braucht mehr als ein schönes Stück Papier, auf dem steht, wie viel Zeit für Sicherheit zur Verfügung steht, welche Aufgaben jemand hat oder was getan werden muss.

00:19:36: Stefan Ganzke: Die Menschen müssen mitgenommen werden.

00:19:38: Stefan Ganzke: Entwickelt die Prozesse gemeinsam mit den Menschen.

00:19:42: Stefan Ganzke: Entwickelt beispielsweise Aufgaben-, Kompetenz- und Verantwortungsmatrizen gemeinsam mit den Betroffenen. Solche Matrizen sind wichtig, um klare Erwartungen zu schaffen.

00:19:51: Stefan Ganzke: Bezieht Schichtführungen, Teamleitungen, Mitarbeitende, Sicherheitsbeauftragte und die unterschiedlichen Hierarchieebenen ein. Diese Beteiligung führt zu mehr Akzeptanz.

00:20:03: Stefan Ganzke: Vielleicht sagst du jetzt: „Das klingt schon einmal spannend.“

00:20:06: Stefan Ganzke: Vielleicht hast du bereits einige Punkte für dich mitgenommen.

00:20:08: Stefan Ganzke: Möglicherweise möchtest du aber noch mehr darüber erfahren.

00:20:09: Stefan Ganzke: Wie schaffe ich es, nicht nur Regeln zu erstellen, die auf dem Papier gut aussehen, sondern dafür zu sorgen, dass sie auch ohne ständige Kontrolle gelebt werden?

00:20:16: Stefan Ganzke: Wie kann ich Mitarbeitende aktiv einbinden und Führungskräfte dazu bringen, bei unsicheren Verhaltensweisen nicht wegzuschauen?

00:20:22: Stefan Ganzke: Dann sind wir bei Wandelwerker der richtige Ansprechpartner für dich.

00:20:25: Stefan Ganzke: Gehe auf unsere Website https://www.wandelwerker.com und buche dir ein kostenloses Erstgespräch.

00:20:34: Stefan Ganzke: Das Gespräch führst du mit Anna, mit mir oder mit einer unserer Beraterinnen und Berater.

00:20:38: Stefan Ganzke: Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.

00:20:40: Stefan Ganzke: Bis bald, dein Stefan.

00:20:42: Anna Ganzke: Vielen Dank, dass du heute wieder dabei warst.

00:20:45: Anna Ganzke: Wenn dir gefallen hat, was du heute gehört hast, dann war das nur eine Kostprobe.

00:20:49: Anna Ganzke: Möchtest du wissen, ob eine Zusammenarbeit für dich geeignet ist, gehe jetzt auf https://www.wandelwerker.com/termin und buche dir einen Termin.

00:20:57: Anna Ganzke: In diesem 45-minütigen Beratungsgespräch wird eine Strategie für dich erstellt.

00:21:02: Anna Ganzke: Du erfährst, in welchen Schritten du an der Einstellung der Menschen im Unternehmen arbeitest, sichere Gewohnheiten schaffst und dadurch die Arbeitsunfälle nachhaltig reduzierst.

00:21:12: Anna Ganzke: Vergiss bitte eine Sache nicht.

00:21:14: Anna Ganzke: Wenn deine Unfallzahlen seit Jahren stagnieren, verbessert sich dieser Zustand nicht von allein.

00:21:19: Anna Ganzke: Du brauchst einen Berater, der dir zeigt, welche Schritte du befolgen solltest und welche besser nicht.

00:21:25: Anna Ganzke: Wir haben Geschäftsführern, Sicherheitsingenieuren und Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei geholfen, die Sicherheitskultur in ihren Unternehmen und bei ihren Kunden zu verbessern.

00:21:36: Anna Ganzke: Als Kooperationspartner des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit liegt es uns am Herzen, dir das notwendige Handwerkszeug auf dem Weg zur Vision Zero zu zeigen und dich bei der Umsetzung zu unterstützen.

00:21:48: Anna Ganzke: Möchtest du wissen, ob eine Zusammenarbeit für dich geeignet ist, sichere dir jetzt unter https://www.wandelwerker.com/termin deinen persönlichen Termin.

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